Anonym oder Pseudonym?

Kaum einer unterscheidet zwischen Anonymität und Pseudonymität. Ich finde jedoch, wenn man sich die Mühe macht, die Begriffe zu differenzieren, stößt man dabei auf den vielleicht entscheidenden Lösungsansatz für Datenschutz im Internet.

Die einen verlangen Freiheit und Anonymität.
Dies sind die Datenschützer und Netzpolitiker, die Bürgerrechte in Gefahr sehen, weil es mit der Digitaltechnik so einfach und kostengünstig ist, Daten zu sammeln und auszuwerten. Sie befürchten starke Machtgefälle und – als deren Konsequenz – den Verlust der Freiheit und der Menschenwürde. Sie setzen sich für ein Recht auf Anonymität ein, um beides zu schützen.

Die anderen fordern vor allem Schutz und Transparenz.
Dazu gehören diejenigen, die für die Sicherheit verantwortlich sind, sowie jene, die ihre Freiheit gerne für mehr Schutz eintauschen: „Internetkriminalität wächst schneller als das Netz selbst. Man muss die Übeltäter doch fassen können!“
Wer so denkt, kann gut schlafen und trotzdem im „normalen“ Rahmen des Möglichen alles im Internet tun, was er möchte. Deshalb sagen die Vertreter dieser Ansicht: „Ganz ohne Sicherheit verliert sich dïe Freiheit.“ Solange die Kontrollierenden kontrolliert werden, sei alles im grünen Bereich. Hier dominiert das Vertrauen in den Staat.

 

Zwei scheinbar unvereinbare, jedoch jeweils berechtigte Positionen. Die Lösung scheint der Gebrauch von Pseudonymen im Internet zu sein.

Eine anonyme Identität kann durch niemand oder allenfalls durch geheimdienstliche Methoden aufgedeckt werden, und separiert damit wirkungsvoll die bürgerliche Identität von den Internetrollen, die ein User im Netz einnehmen möchte. Die Daten, die über die Internetrollen gesammelt werden, können nicht ohne Weiteres gegen das Interesse des Bürgers verwendet werden. Allerdings kann ein Anonym bei Rechtsbrüchen auch nicht aufgedeckt werden.

Echte Anonymisierung, wie sie beispielsweise so erfolgreich wie eben technisch möglich durch das TOR-Projekt (TorProject.org) vorangetrieben wird, wird von vielen – auch von mir – als ein Garant für „free speech“ und für viele Länder als Katalysator für freiheitlich-demokratische Aufbrüche angesehen. Es ist eines der wichtigsten technischen Werkzeuge gegen staatliche Zensur. Daher sollte, auch wenn die Nutzung von Pseudonymen der Regelfall im Internet werden wird, immer eine Möglichkeit für echt anonyme Kommunikation im Internet eine Option bleiben.

Unter einem Pseudonym jedoch versteht man eine in der Regel anonyme Identität, die in engen Grenzen eines rechtsstaatlichen Zugriffs zum Zweck der Aufklärung von Straftaten dennoch aufgedeckt werden kann. Auch ist es leichter möglich unter einem Pseudonym geschäftsfähig zu sein. Natürlich gibt es unterschiedliche Definitionen der „engen Grenzen des rechtsstaatlichen Zugriffs“. Hier unterscheiden sich verschiedene Pseudonyme der Qualität nach signifikant. Die einen sprechen wegen der allzu leichten Möglichkeiten des Zugriffs und dem Mangel an Methoden zur Unterdrückung von Rasterfahndung dem Datenschutz Hohn und Spott. Andere hingegen, die beispielsweise auf dem Prinzip des „Sealed Freeze“ beruhen, stellen aus Sicht eines strengen Datenschutzes gute Alternativen zur echten Anonymität dar. Dadurch ist den Usern eine Abgrenzung von anderen Nutzern möglich, die Anonymität missbrauchen.