Datensammler im Internet: Problem erkannt. Und jetzt?

Nach Lektüre des ersten Teil des im Februar erschienenen Buches „Die Internetfalle“ von Thomas Köhler (Verlag „Frankfurter Allgemeine“)  ist mir eines klar: Die Online-Analyse ist weiter verbreitet und die Datensammler sind vernetzter, als ich dachte. Ich muss meine Daten schützen. Gut. Aber wie?

Zunächst eine Bestandsaufnahme – seit den 90er Jahren hat sich ja so einiges angesammelt. Sechs verschiedene Mailbox-Anbieter kümmern sich um meine Accounts; fünf Soziale Netzwerke verfügen über Einträge; mehrere Wissensportale stehen mir zur Verfügung; drei Online-Shops senden mir ihre Angebote und lassen mich schnell und unkompliziert einkaufen. Ich recherchiere wegen meines Berufs mehr als der Durchschnitt der Internetnutzer, auch über Twitter, Facebook und die Suchmaschine Google. Die Anbieter dieser Services sammeln meine Daten und fassen sie zu Profilen zusammen. Viele Websites auch noch mit Analyse-Seiten wie doubleklick.net oder google-analytics.com verbunden. Sie sammeln ebenfalls. Das beunruhigt mich. Wie soll ich bei dieser Menge den Überblick über meine Daten behalten?

Der zweite Teil des FAZ-Buches gibt mir einen Tipp – na ja eigentlich sieben Hinweise: Ich soll „den gesunden Menschenverstand“ einschalten, immer „fromm und redlich“, einzigartig, gerüstet und wehrhaft sein, mich „stets“ informieren und „mit Vertraulichkeiten sparen“. Ich dachte immer, dass Internet erleichtert mir die Arbeit und mein Leben. Jetzt sieht es so aus, als wäre diese These haltlos. Will ich Sicherheit und einen geschützten Lebensbereich, dann gilt es Zeit aufzuwenden. Kostbare Zeit!

Auf jeden Fall muss ich technisch aufrüsten. Dafür brauche ich einen Fachmann, denn ich scheitere schon bei den IT-Begriffen: „Betriebssystem, Applikationen, Plugins und Virenschutz“ verstehe ich ja noch. Aber wie richte ich ein separates Nutzerkonto mit eingeschränkten Rechten ein? Was ist eine „Sandbox“? Wie betreibe ich den Webbrowser – Firefox, Explorer, Google Safari zum Beispiel – im „privacy modus“? Den findet man bei dem Browser Firefox, so Köhler, unter „Extras“, bei anderen aber an anderer Stelle. Welche Cookies soll mein Computer akzeptieren? Nur die „sessionbasierten“, schreibt er, und dass sich alles einstellen lässt. Von mir allerdings nicht!

Ich könnte auch meine Surfspuren verwischen – mit einem Anonymisierungsdienst zum Beispiel. Hinter diesem muss ich trotzdem regelmäßig im PC aufräumen. Außerdem brauche ich mit einem solchen Service zu lange für meine Recherchen, weil sie oft langsam sind. Theoretisch sollte ich mich zusätzlich vor „bösartigen Userinterfaces“ schützen, das Programm Javascript abschalten oder „Flash“ deaktivieren. Lösung ist dies jedoch keine, weil Websites dann für mich unbrauchbar werden.

Und dann meine Passwörter! Um sie mir zu merken, gebe ich oft dieselben ein. Ganz schlecht, sagt da der IT-Sicherheitsfachmann: Starke, also sichere Passwörter bestehen aus vielen Zahlen, Groß-und Kleinbuchstaben und Steuerzeichen. Sie dürfen kein Wort bilden. Wie soll ich solche beliebig aneinander gereihten Zeichen denn in Erinnerung behalten? Aufschreiben und immer wieder ändern, heißt es. Deshalb gibt es Tipps im Internet, wie man ein sicheres Passwort kreiert, das man sich merken kann. Nur: Ich darf es bloß einmal benutzen.

Mir schwirrt der Kopf. Gibt es eigentlich auch bequemen Datenschutz im Internet, der mir eines garantiert: Privacy? So heißt das heute. Privatsphäre – so nannte man es früher. Egal. Ich will das Internet nutzen, ohne ständig daran denken zu müssen, dass meine Daten unsichtbaren Dritten in die Hände fallen. Aber das passiert – täglich.