Demokratie und digitale Technik

many hands symbolizing teamwork/power/unity/equalityNegative Folgen durch Digitalisierung und zunehmende Vernetzung, konstatierte der Soziologe, Harald Welzer, bei der Eröffnung der Media Convention 2015. Es war ein Auftakt der re:publica, eine der wichtigsten Veranstaltungen in der Netz-Gemeinde, die vorige Woche stattfand. Digitale Techniken und Geräte wie Smartphones haben, so Welzer, „die Verhältnisse von Öffentlich und Privat radikal auf den Kopf gestellt“, erklärte der Forscher auf der Konferenz vor einem hauptsächlich technikaffinem Publikum. Er erinnerte daran, dass genau diese Trennung der beiden Lebensbereiche das konstitutive Element von Demokratie darstellt.

Politiker bräuchten geschützte Privaträume, um Pläne entwickeln und auch mal „konspirativ“ sein zu können. Die Mitglieder einer Demokratie benötigten die private Sphäre, da sonst die „Freiheit des öffentlichen Auftretens radikal eingeschränkt“ werde. Nicht umsonst stehe die Unverletzlichkeit der Wohnung und der Person in den Verfassungen aller demokratischen Staaten. Das Interesse totalitärer Gesellschaften, von jedem Geheimdienst und ebenso großer Digitalunternehmen sei es dagegen, „die Privatheit radikal zu zerstören“.

Damit benannte der Forscher Hintergründe, die für viele Internet-Natives immer noch nicht zum selbstverständlichen Wissen gehören. Oft sind sie dafür zu jung. Er weist darauf hin, in welchen Bereichen fundamentale Gefahren bei der Vernetzung liegen. Denn: Bequemlichkeit ist halt nicht alles!

Demokratie, so Welzer, dürfe nicht ein paar Apps geopfert werden.