Ein Jahr „nach Snowden“ – über Empörung und Konsequenzen

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Bereits im vergangenen Jahr stellte das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) in einer Blitzumfrage nach den Enthüllungen fest, dass sich das Sicherheitsgefühl der Deutschen signifikant verschlechtert hatte. Eine aktuelle Studie widmet sich nun der Frage, was sich heute – ein Jahr nach den ersten Veröffentlichungen – durch Snowdens Aussagen für uns alle geändert hat. Privat und im allgmeinen Netzverhalten. Was fürchten wir, was lässt uns gleichgültig?

DIVSI hat dafür in Zusammenarbeit mit dem dimap-Institut eine repräsentative Umfrage durchgeführt und 1007 deutsche Bürger ab 16 Jahren zur Wahrnehmung des Snowden-/NSA-Skandals in Deutschland befragt.

Jeder Zweite sieht Grundrechte durch Überwachung verletzt. Insgesamt 48 Prozent meinen, dass das Vorgehen der Geheimdienste unser Recht auf Privatsphäre und damit die Grundrechte verletze. Am stärksten ist dieser Gedanke bei den 16- bis 24-Jährigen ausgeprägt. 60 Prozent dieser Gruppe sind davon überzeugt. Insgesamt 22 Prozent sehen solche Geheimdienstaktionen allerdings als „gerechtfertigt“ an, „solange es der Sicherheit aller dient“. Ebenfalls rund jeder Zweite kritisiert, dass derzeit zu wenig für den Datenschutz in Deutschland unternommen wird. 47 Prozent sind insgesamt dieser Ansicht.

Generell lehnt die große Mehrheit den Zugriff auf private Daten im Netz durch Außenstehende ab. 83 Prozent aller Befragten würde einen Datenzugriff ausländischer Sicherheitsbehörden nicht erlauben. Im Vergleich zur repräsentativen PRISM Online-Blitzumfrage von DIVSI im Juni 2013 zeigt sich hier eine interessante Veränderung: Bereits im vergangenen Jahr waren 84 Prozent dagegen, ausländischen Sicherheitsbehörden Zugriff auf private Daten zu gestatten – jeder Zweite war jedoch der Meinung, dass deutsche Sicherheitsorgane grundsätzlich durchaus Zugriff auf private Daten haben dürften. 2014 sehen dies nur noch 39 Prozent der Befragten so.

Die Empörung der Menschen in Deutschland ist nach wie vor groß, ihr Verhalten haben aber nur wenige geändert. Auffällig ist eine deutliche Diskrepanz zwischen dem, wie die Deutschen das Vorgehen der Geheimdienste bewerten und welche Konsequenzen sie für ihr eigenes Handeln daraus ziehen.Zwar glaubt insgesamt die Mehrheit (56 Prozent), jeder werde abgehört. Am stärksten (73 Prozent) ist hiervon die Gruppe der 16- bis 24-Jährigen überzeugt. Andererseits sehen die meisten den Umgang mit Lauschangriffen recht locker. „Es interessiert mich nicht, ob meine Telefonate oder Mails abgehört oder aufgezeichnet werden. Ich habe nichts zu verbergen und ich werde auch nichts ändern“, erklären 44 Prozent aller Befragten. Eine deutliche Mehrheit (55 Prozent) ist sich auch sicher, dass die „meisten Menschen ihr tägliches Nutzungsverhalten nicht geändert“ haben. Nur 9 Prozent der Befragten geben an, wegen der Snowden-Enthüllungen beim Telefonieren, Mailen und Surfen im Internet „sehr viel vorsichtiger“ geworden zu sein. Weitere 14 Prozent verhalten sich seitdem „etwas vorsichtiger“.

Der Schutz der Privatsphäre ist ein internationales Anliegen. Die Mehrheit der Befragten (52 Prozent) hält ein starkes, gemeinsames Auftreten der Europäischen Union beim Thema Datenschutz für wichtig. 26 Prozent finden, dass jeder Staat zunächst einmal seinen eigenen Standpunkt finden sollte. Und 16 Prozent haben quasi resigniert. Sie sind überzeugt, dass die USA ohnehin machen, was sie wollen. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik bei diesem Thema insgesamt und nicht nur gegenüber den USA gemeinsame Positionen findet, damit das Vertrauen der Menschen in die Digitalisierung gestärkt wird.

Snowden selbst ist durch seine Enthüllungen übrigens zur bekannten Person geworden. Insgesamt 80 Prozent der Befragten wissen ihn richtig einzuordnen. Dieser sehr hohe Bekanntheitsgrad bei allen soziodemographischen Gruppierungen macht deutlich, welche Aktualität die Vorgänge rund um seine Person und die Enthüllungen haben.