EU will Verbaucher vor Google & Co schützen

seifenblasenDas EU-Parlament will Google zerschlagen. So tönt es in einem Bericht der Financial Times, dem etliche Medien nachfolgten. Bezogen ist dies auf einen Entschließungsantrag des EU-Parlaments, die den Verbraucher im digitalen Binnenmarkt (digital single market) stärken will. Darin empfiehlt das EU-Parlament unter anderem auch eine „Entflechtung von Suchmaschinen von anderen kommerziellen Diensten“. Sofort ging in den USA durch die Medien: Ein Angriff auf Google. EU fordert USA heraus… und Ähnliches. Die Resolution selbst erwähnt Google nicht. Allerdings handelt eine empfohlene Maßnahme davon, Betreiber von Suchmaschinen dazu zu zwingen, andere Unternehmensbereiche abzutrennen.

Hintergrund ist der Versuch unlauteren Wettbewerb zu unterbinden: Suchmaschinen dürften ihre „dominierenden Stellung“ auf dem Markt nicht missbrauchen, verlangte das Parlament. Eine solche Entflechtung von Unternehmen ist im europäischen Wettbewerbsrecht durchaus üblich. Dabei sollen verschiedene Firmenteile so voneinander getrennt werden, dass sie sich nicht gegenseitig Vorteile verschaffen können. Auch wenn die Bereiche unter einem Konzerndach bleiben. Auf diese Weise soll eine Monopol-Bildung verhindert werden.

Gegen Google läuft seit bald fünf Jahren ein Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission. Dabei geht es um den Vorwurf, Google zeige seine Treffer so an, dass zum Beispiel bei der Suche nach einem Restaurant, die Nischensuchmaschinen aus dem hauseigenen Umfeld bevorzugt gelistet werden. Die Konkurrenz dagegen scheint erst weiter unten auf oder gar auf der nächsten Seite, wo selten jemand nachschaut. Außerdem hat Google mit seinem Smartphone-Betriebssystem Android eine Vormachtstellung im Mobilfunkgeschäft inne: Der Marktanteil lag zuletzt bei über 80 Prozent. YouTube gehört ebenfalls zum Konzern. Damit hat dieser einen Fuß im TV-Geschäft der Zukunft. Mit Barreserven von mehr als 60 Milliarden Dollar ist dann ja wohl eine Monopolstellung erreicht, die politische Entscheidungsträger und Verbraucher beunruhigen sollte.

Geholfen hat dem Konzern vor allem seine Datensammelei: Als er 1997 gegründet wurde, war es ausschließlich eine kostenlose Suchmaschine. In den ersten Jahren hat es Millionen Dollar Investoren-Kapital verbrannt. Erst mit dem Geschäftsmodell „zielgruppenspezifische Werbung“ und der Versteigerung von Werbe-Platzierungen unter den Inserenten, konnte das Unternehmen überhaupt erst die notwendigen Mittel auftreiben, um geschäftsfähig zu sein. Die Basis dazu liefern bis heute die Nutzer mit ihren Daten. Die Suchmaschine ist also alles andere als kostenlos.