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Facebook & Co: Modern aber nicht nachhaltig

Social-Media-Plattformen prägen die moderne Kommunikation. Wollen sie jedoch nachhaltig wirtschaften, müssen sie andere Geschäftsmodelle entwickeln.

Soziale Netzwerke zeigen deutlich wie moderne Kommunikation funktioniert: Immer einen Klick noch einfacher als E-Mail, SMS und Telefon. Man hält Kontakte und sucht neue; fängt im kleinen Kreis an und vernetzt sich rapide. Ende 2011 verzeichnete Facebook 800 Millionen Mitglieder, davon allein in Deutschland 20 (http://www.socialbakers.com/facebook-statistics/). Der mögliche „Freundeskreis“ von knapp einem Drittel der Deutschen hat sich in den letzten zwölf Monaten in etwa verdoppelt. Solange soziale Netzwerke allerdings nur eine Nische bedienten, ließ sich über die permanente Verletzung von
datenschutzrechtlichen Grundsätzen hinwegsehen. Das geht bei der bereits erreichten Verbreitungsdichte nicht mehr.

Denn Facebook & Co-Nutzer erliegen oft einem psychologischen Paradoxon: Sie vertrauen den Anbietern der Plattform zwar nicht allzu sehr, da sie wissen, dass Soziale Netzwerke Anzeigenkunden damit ködern, dass sie gezielt Werbung machen können. Doch sie nehmen das vermeintliche Gratisangebot trotzdem in Anspruch. Die Unternehmen nutzen für das Datensammeln Techniken, die bereits für viele Betreiber von Webseiten etabliert sind. Targeting – das zielgruppenorientierte Einblenden von Werbung – wird effektiver, der Datenschutz dabei aber weitgehend negiert.

Warnungen werden laut

Tim Berners-Lee, Gründervater des WWW,  fordert daher Verantwortungsbewusstsein; von Social-Networks genauso wie von Providern, Online-Marketingfirmen und anderen Anbietern  von Websites. In seinem  Essay „Lang lebe das Netz“ (http://www.scientificamerican.com/article.cfm?id=long-live-the-web&print=yes) warnt er vor  drei Gruppen, die das Grundkonzept des World-Wide-Web angreifen:

  • Regierungen, die das Nutzerverhalten ihrer User überwachen,
  • Internet-Provider, die bestimmte Daten bevorzugt und gegen Bezahlung transportieren wollen und
  • große soziale Netzwerke, die Informationen horten und immense Datenmonopole pflegen.

Das Internet sei konzipiert worden, damit „jeder Informationen mit jedem austauschen kann“ – weltweit, betont Berners-Lee. „So soll es bleiben“, fordert er. Wir Web-User könnten nicht erlauben, dass Websites unkontrolliert ihre User ausspähen.

Woran erkennt man nachhaltige Social-Media-Geschäftsmodelle?

  1. Der Nutzer ist Kunde, nicht Datenpool
    Gratis gibt es im Internet eigentlich nichts: „If you’re not paying for something, you’re not the customer, you’re the product being sold“,bringt es der kanadische Software-Entwickler Andrew Lewis auf den Punkt. Social-Networks, die ihren Kommunikationsdienst gegen Entgelt anbieten, sind daher vertrauenswürdiger als Gratisanbieter, vorausgesetzt sie können „Betreibersicherheit“ garantieren. Die Daten der User sind dabei nicht nur vor Angriffen von außen geschützt, sondern auch vom Missbrauch des Anbieters selbst. So entwickelt Thorsten Strufe, Juniorprofessor an der Universität Darmstadt, mit seinem Team „Safebook“ (Link: http://www.faz.net/artikel/C31013/safebook-das-private-soll-wieder-privat-werden-30083643.html), eine sichere Alternative zu Facebook. Diese basiert auf einem so genannten peer-to-peer Netz, einem dezentralen Ansatz. Eine andere technische Möglichkeit, ein zentral organisiertes System betreibersicher zu machen, ist die „Sealed Cloud“. Diese Technik wird in einem Konsortium des Instituts für Angewandte  und Integrierte Sicherheit (AISEC) der Fraunhofergesellschaft, der Uniscon GmbH und der SecureNet GmbH vorangetrieben.
  2. Ziel des „Targeting“ sind Pseudonyme, nicht der User
    Gezieltes Marketing  muss sich nicht auf die bürgerliche Identität des Users beziehen. Mit Pseudonymen lassen sich ebenfalls hervorragende Ergebnisse erzielen, ohne dass man in die Privatsphäre eingreifen muss. In einem nachhaltigen Geschäftsmodell für Soziale Netzwerke gibt es daher keine Echtnamenpflicht.

Soziale Netzwerke läuten keine „Post-Privacy-Ära“ ein. Sie bedienen das Mitteilungs- und Zugehörigkeitsbedürfnis ihrer Nutzer bereits ausgezeichnet, doch erst, wenn sie sich auch um das Bedürfnis nach Privatsphäre und Selbstbestimmung kümmern, erfüllen sie die Anforderungen an einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen des Internets.