Freiheit in der digitalen Gesellschaft

Ein „Zuviel“ ist selten gut. Besonders gilt dies für unsere Sicherheit im Web: Um frei zu sein, müssen wir uns sicher fühlen. Das erreichen wir, indem wir Risiken vermeiden, aus Erfahrungen lernen und weiteres Wissen über mögliche Gefahrenherde anhäufen. Unser eigentliches Ziel: frei zu sein. Frei von Angst oder Fremdbestimmung.

Für die Post-Privacy-Anhänger liegt die Lösung in der Transparenz der User. Je gläserner diese werden, desto weniger Risiken oder Überraschungen sind sie ausgeliefert, weil die „Verantwortlichen“ oder „der Markt“ schon für Sicherheit sorgen. Die Daten dazu haben diese ja. Ein Trugschluss: Denn wenn alles offengelegt, gesammelt und ausgewertet ist, bleibt nichts mehr. Nur die Macht eines Staates oder weniger Unternehmen, die User zu durchleuchten und zu manipulieren. Diese degenerieren zur Konsumenten-Masse, die nur solange zufrieden ist, solange der Nachschub an „Brot und Spielen“ gewährleistet ist.

Doch auch im Gegensatz – der vollkommenen eingezäunten Privatsphäre bzw. in der Anonymität  – liegt kein Heil: Können gesellschaftliche Absprachen und Gesetze umgangen werden, ohne dabei Konsequenzen  fürchten zu müssen, führt das zur Freiheit ohne Sicherheit. Im Wild-West-Regime gibt es für den einzelnen nur noch Selbstjustiz – und die kann jeden treffen. Irgendwann kann sich die Mehrheit der Gesellschaft nicht mehr wohl fühlen. Sicherheit als Grundbedürfnis  erscheint dann bald wichtiger als die Freiheit von Fremdbestimmung. Wir wollen wieder frei sein – frei von Angst.

Die Balance zwischen Sicherheit und Privacy schafft den Raum für kultivierte Freiheit.

User pendeln heute zwischen diesen beiden Extremen hin und her. Wild-West auf der einen Seite, Brot-und-Spiele auf der anderen. Beides erscheint bedenklich. Zurzeit befürchten User, dass sie nichts tun können, außer ihr „Unwohlsein“ runter zu schlucken: Sie wissen, dass irgendwo da draußen ihre Daten gesammelt werden, ignorieren dieses Wissen aber. Erstrebenswert erscheint dagegen die kultivierte Freiheit. Das Pendel schwingt zwischen angemessener Internet-Sicherheit und Web Privacy. Drei Dinge sind dafür notwendig: eine Novellierung des Datenschutzrechts, technische Web-Privacy-Dienste und eine bessere Medienkompetenz.