Ich habe doch nichts zu verbergen!

So lautet der Kommentar mancher Menschen, wenn Sie auf die Probleme des Datenschutzes im Internet angesprochen werden. Ist das Schulterzucken Ausdruck eines Wertewandels, der Privacy – gemessen am Nutzen der Transparenz und Offenheit – einfach eine untergeordnete Bedeutung beimisst, oder ist es schlichte Ahnungslosigkeit?

Ich denke Letzteres:
Zwar dürften User die Kosten und den Nutzen abwägen, doch ist man meiner Meinung nach meist ahnungslos und naiv, wenn man sich selbst den Satz „Ich habe doch nichts zu verbergen.“ abnimmt.

Als man in den späten 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts darauf hoffte, Krebskrankheiten mithilfe von Radium besiegen zu können, war den Experten bekannt, dass hohe Dosen Radioaktivität auf Zellen schädlich sind. Darauf basierten ja die Erwartungen: Was dem Körper schadet, sollte doch auch wuchernde Zellen töten. Das hochradioaktive Radium sollte Segen bringen, also versetzte man verschiedene Produkte mit radioaktiven Stoffen – unter ihnen z. B. einen Lippenstift. Es brauchte etliche Todesfälle bis diese Produkte wieder verschwanden. Doch bis dahin stand Radioaktivität für „Kraft, Energie und Modernität“ wie das Werbeplakat aus dem Jahr 1930 zeigt. Nukleartechnik sollte noch lange danach die Energieprobleme der Welt lösen. Das hat sich – nicht nur in Deutschland – geändert.

Sehe ich, wie der Facebook-Chef seinen neuen Dienst „Timeline“ der Öffentlichkeit präsentiert, so versuche ich mir vorzustellen, mit welchem Unverständnis man mit einigen Jahren Abstand auf diese stolze Pose blicken wird.