Big Brother or Little Brother?

„Hatten Sie Geschwister? Vielleicht einen kleinen Bruder, der immer fies gepetzt hat? Dann sind Sie
ja schon bestens für das digitale Zeitalter vorbereitet.“

So beginnt Dominik Grollmann, Chefredakteur der Zeitschrift internet World Business seinen Kommentar „Gefährlicher kleiner Bruder“ in der aktuellen Ausgabe.

Denn weder der Orwell’sche „Big Brother“ noch die gleichnahmige Dokusoap, sondern der „Little Brother“ habe es geschafft: Er wisse, mit wem wir telefoniert, welche SMS wir verschickt, welche Ziele wir mit dem Auto angesteuert, was wir mit Google gesucht und mit wem wir in Facebook gechattet haben.

Grollmann meint, der „Big Brother“ sei der Überwachungsstaat, der durch die totale Transparenz seiner Bürger für Totalitarismus anfällig sei. Der „Little Brother“ dagegen komme aus der Privatwirtschaft: die dominanten Internet-Granden und die Online-Analyse-Unternehmen, die unsere Daten – weniger aus Machtambition als vielmehr wegen wirtschaftlicher Überlegungen – sammeln.
Weiter schreibt er: „Der „Little Brother“-Effekt hat uns vermutlich real mehr Privatsphäre geraubt als die Big-Brother-Bedrohung. Trotzdem erscheint er uns weniger bedrohlich.“

Warum dies so ist, hat Anna Winter in ihrem Beitrag „Aufklärung allein genügt nicht“ analysiert.