Jerry aber weiß sich zu helfen

Wir – die Nutzer von Facebook, Google, Instagram, Apple- und App-Store, von Spotify und Pinterest und vielen mehr – können nur zwischen zwei Übel wählen: Entweder bezahlen wir mit unseren Daten oder wir kaufen die Dienstleistungen, die  wir jetzt noch „gratis“ erhalten. Da passt die Kafka-Fabel von der Maus, die wählen kann – zwischen der Mausefalle und der Katze, findet Markus Brauck in seinem Kommentar „Vor der Mausefalle“ in „Der Spiegel“ Nr. 52 vom 22. 12. 1212. Es gäbe keinen anderen Ausweg, meint er.  Er hat offenbar zu wenig Tom und Jerry gesehen.

Der Konsument müsse entscheiden, ob er zahle oder ob er sich selbst zur Ware machen lasse, fügt Brauck hinzu. „Das Einzige, was tatsächlich fehlt, sind Bezahlmodelle für Facebook und Co., Abonnements oder dergleichen.“ Tatsächlich? Und wer garantiert, dass die Daten dann nicht mehr gesammelt werden, wenn man sich entscheidet zu bezahlen. Wenn Internetnutzer Geld in die Hand nehmen, dann bitte für eine Verbesserung, nicht für einen zweifachen Nachteil. Der Internetnutzer kann dem Dilemma nur dann entkommen, wenn er dort ansetzt, wo das Problem liegt.

Das Problem liegt nicht allein darin, dass Daten gesammelt werden. Sondern auch darin, dass zur Online-Analyse Firmen diese zu einem Profil zusammenfassen, das  meist mit dem Klarnamen und anderen persönlichen Daten verknüpft ist. Warum wehrte GooglePlus sich so lange  gegen Pseudonyme und akzeptiert sie nur unter bestimmten Bedingungen? Warum fragt Facebook über Freunde aus? Weil die Geschäftsmodelle der IT-Unternehmen personalisierte Werbeeinblendungen vorsehen. Aber das ist es nicht allein: Die Macht des Wissens spielt dabei ebenfalls eine Rolle. Denn Wissen eröffnet Geldquellen, an die man heute noch kaum denkt oder die heute einen empörten Aufschrei verursachen. Morgen aber…

An den Schnittstellen der digitalen mit der realen Welt liegt der Gewinn für die Unternehmen und dort ist auch die Privatheit bedroht, die wir mühsam erkämpft haben und die uns – verglichen mit anderen Kulturen – ein großes Maß an Freiheit gewährleistet.Genau dort setzen gute Web-Privacy-Dienste an. Sie entkoppeln die im Internet gesammelten Daten von den persönlichen. Sie helfen, im Internet pseudonym aktiv zu sein und seine Informationen in Sozialen Netzwerken geschützt weiter zu geben – besonders die privaten, die wirklich nur guten Freunden vorbehalten sind. Dabei behindern sie nicht, sie erleichtern es, sich im Netz zu bewegen – datengeschützt und sicher. Diese Dienste müssen kostenpflichtig sein, andere Geschäftsmodelle sind unglaubwürdig. Aber es kommt trotzdem erheblich billiger, als würde man alle „Gratis“-Dienste, die man heute schon  in Anspruch nimmt, bezahlen.

So entkommt der Internetnutzer der Mausefalle und auch der Katze – wie Jerry, gewitzt und sich der neuen Entwicklung im Internet anpassend.