Privacy-Handlungsempfehlungen von Acatech

Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) geben Handlungsempfehlungen für die „Privatheit im Internet“: Das Zusammenspiel von Bildung, Recht, Wirtschaft und Technik sollte so gestaltet werden, dass sich im Internet die grundlegenden europäischen Werte – freie Selbstbestimmung, politische Teilhabe und wirtschaftliches Wohlergehen der Bürger – optimal entwickeln können.

Das Vertrauensverhältnis zwischen Nutzern und Diensteanbietern ist die Grundvoraussetzung dafür, das Potenzial des Internets zum Wohle und Fortschritt der Gesellschaft voll auszuschöpfen. Darum habe acatech eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projektgruppe unter Leitung von Johannes Buchmann (CASED und Technische Universität Darmstadt) eingesetzt. Die Wissenschaftler aus Recht, Wirtschaft, Technik, Ethik und Soziologie und Wirtschaftsvertreter haben in 18 Monaten Forschungsarbeit Privacy-Vorschläge erarbeitet. Sie richten sich an Politik, Öffentlichkeit, Wirtschaft und Wissenschaft und umfassen die folgenden Bereiche:

  • BILDUNG – Internetkompetenz für alle ermöglichen
    Ein bewusster Umgang mit dem Internet braucht Internetkompetenz und Internetkompetenz erfordert Bildung. Ein zentrales Ziel ist die Förderung von Internetkompetenz für alle – in Schulen, in der Berufsausbildung und durch öffentliche Kampagnen.
  • RECHT – Vertrauen im Internet durch verlässliche Rahmenbedingungen fördern
    Nutzer sollten zum Beispiel ohne Hürden zwischen Diensten wechseln können. Zu verlässlichen Rahmenbedingungen trägt auch die Harmonisierung des Privatheitsrechts bei und die vertrauenswürdige Zertifizierung von Diensten. Wichtig ist aus der Sicht von acatech, dass die Realisierung solcher Vorschriften den Anbietern von Internetdiensten überlassen bleibt.
  • WIRTSCHAFT – Vertrauenswürdigkeit von Internetdiensten erhöhen
    Die Vertrauenswürdigkeit von Internetdiensten ist eine wesentliche Voraussetzung für ihren Erfolg. acatech vertritt die Auffassung, dass ein solches Vertrauen gesteigert werden kann, wenn den Nutzern Optionen gegeben werden, ihre Privatheit individueller zu gestalten. Dazu gehört etwa die Nutzung von Pseudonymen. Außerdem sollen Dienstanbieter die Nutzung von spezieller Software, sogenannten Privacy-Agenten, unterstützen durch zum Beispiel Standardisierung von Schnittstellen. Solche Agenten unterstützen die Nutzer beim Schutz ihrer Privatheit.
  • TECHNIK – Privacy by Design
    Privatheitsschutz ist wirkungsvoll und gleichzeitig kostengünstig, wenn er schon bei Design und Entwicklung von Internetdiensten berücksichtigt wird. Dazu sind viele technische Werkzeuge notwendig: von langfristig sicherer Kryptographie über Methoden für die anonyme Nutzung von Diensten bis zu Techniken, die das Vergessenwerden im Internet ermöglichen. Solche Lösungen können ihre Wirkung jedoch nur entfalten, wenn sie von Anfang an nutzerfreundlich angelegt sind.