Studie: Sofware-Hype überrennt Fabriken

IDGard Zahnraeder (2) IT-Experten befürchten eine zu schnelle und unbedachte Integration neuer Softwarelösungen in die digitale Fabrik. Dies meint der Technologieberater Invensity: Die Fachleute würden sich auf die wachsende Anzahl von Software-Innovationen am Markt beziehen. Die Consultingfirma nennt konkrete Zahlen: 58 Prozent der IT-Experten würden im Rahmen der von ihnen durchgeführten  „Trendstudie: IT- und Technologiereport 2020“ angeben, dass sie eine hohe Anzahl neuer Softwareentwicklungen in der Industrie 4.0 erwarten – und auch, dass sie darüber durchaus beunruhigt sind.

In der Studie, so Geschäftsführer Frank Lichtenberg, bezweifeln „zwei Drittel der Befragten, dass sich Topmanager darüber im Klaren sind, welche fundamentalen Veränderungen einer Branche mit den neuen Geschäftsmodellen drohen“. Sein Schluss: „Genau an dieser Stelle wird es gefährlich. Wirtschaftsgrößen wie Deutschland müssen die Digitalisierung ernst nehmen und sie in möglicherweise neue Geschäftskonzepte überführen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sonst werden sie einfach von einer Datenwelle überrollt.“ Zu den Hausaufgaben gehört für ihn auch eine rechtliche Regulierung. Dies zeige sich, so der Berater, auch in der Studie: 64 Prozent der befragten IT-Experten würden rechtliche Fragen noch längst nicht als geklärt betrachten. Lediglich neun Prozent geht davon aus, dass die Gesetzeslage auf solche Entwicklungen bereits vorbereitet ist.

Vor allem der Maschinenbau sei durch die wachsende Anzahl an Softwarelösungen gefordert. Der Leiter des Invensity Innovation Centers, Dr. Utz Täuber, betont: Vorsicht ist geboten: Industrie 4.0, die digitale Fabrik oder auch M2M stecken noch in den Kinderschuhen“, warnt er und sieht die Branche in dem gefährlichen Stadium,von ungewollten Innovationen überrannt zu werden, „anstatt neue und vorhandene Inhalte für die Bildung von Synergien zu nutzen.“

Beispiel solcher Synergie

Was er meint: Damit Fabriken in der Zukunft flexibler, effizienter und intelligenter Waren produzieren können, müssen sich Maschinen, Anlagen und Produkte miteinander absprechen und Informationen teilen. Das nennt sich Industrie 4.0 – wenn Informationstechnik und Telekommunikation mit der Fertigungsindustrie verschmelzen. Eine ernstzunehmende Variante, eine solche Entwicklung zu ermöglichen, sind virtuelle Räume. In ihnen tauschen Maschinen Daten aus und kommunizieren so miteinander. Gerade in der Fertigung gilt aber, dass die Sicherheit eben dieser Daten gewährleistet bleiben muss. Gleichzeitig sind ältere, etablierte, interne Systeme zur Kommunikation im Gebrauch, die an den Schnittstellen mit dem neuen Kommunikationssystem oft ungewollt Sicherheitslücken öffnen. Vor dem Einsatz eine Software- oder auch Cloudlösung  tut also eine genaue Überprüfung not.

Deshalb ist IT-Sicherheit ein erfolgskritischer Faktor für praxisorientierte und umfassende Industrie-4.0-Lösungen. Die wesentlichen Aufgaben bestehen darin, Knowhow zu schützen, Produktionsnetzwerke sicher zu gestalten und vertrauenswürdige Verbindungen mit anderen Unternehmensstellen sowie der Außenwelt herzustellen. Durch die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Technologie Sealed Cloud gibt es seit 2014 eine Cloud-Infrastruktur, die Unternehmen mit der geforderten Datensicherheit versorgt. Mit ihr lässt sich ein virtueller Raum gestalten, in dem die allgegenwärtigen Informationsflüsse einer vernetzten Fabrik zwischen Produkten, Robotern, Maschinen und Antrieben erfolgen kann. Wie das funktioniert, erklärt ein White Paper dazu.