Verschlüsselungsplattform Qabel

„Ein neues schlüsselfertiges Ökosystem mit echtem Datenschutz.“ Mit diesem will eine Firma aus Hannover namens Praemendatum Nutzern etwas in die Hand geben, um sich gegen zu neugierige Geheim- und Internetdienste zur Wehr zu setzen. Qabel, so heißt die Software – quelloffen und für nicht kommerzielle Nutzer gratis – soll mittels einer vollständigen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vor Spionageangriffen und dem Mitlesen von Internetanbietern schützen. Die Daten werden direkt auf dem Gerät verschlüsselt und so zum Server geschickt. Das gilt für Inhalte ebenso wie für Metadaten. Bisher gibt es eine erste Entwicklerversion (Alphaversion).

Auf dem Gerät des Senders werden die Daten verschlüsselt, beim Empfänger werden sie erst wieder entschlüsselt, ohne dass dieser von der Entschlüsselung etwas mitbekommt. Auf diese Weise bleiben die Daten unlesbar, selbst wenn jemand sie abfängt. Die Software muss auf jedem Gerät installiert werden und läuft über einen persönlichen User-Account. Alle Daten, die über Qabel zu anderen Community-Mitgliedern verschickt werden, sind von Anfang bis Ende verschlüsselt.

In der Entwicklerversion hat Qabel drei Funktionen: Chat-, Filesharing und Adressbuch. Ein Kalender sowie ein E-Mail-Programm stehen auf dem Programm. Verwendet wird laut Angabe der Entwickler nur Open Source. Allerdings steht die Software unter der modifizierten Qabel-Lizenz (QaPL). Das bedeutet: Der Code ist zwar einsehbar und kann überprüft und modifiziert werden, allerdings nur für nicht kommerzielle Anwendungen und nur, wenn es sich dabei nicht um Geheim- und Militärdienste handelt. Aus diesem Grund ist Qabel eigentlich weder Open Source noch freie Software.

Die größte Hürde für Qabel wird allerdings die Verbreitung im Markt sein. Das Konzept klappt nur, wenn wirklich viele Nutzer es auch nutzen. Denn die sichere Verschlüsselung und das anschließende Lesen der Inhalte kann nur zwischen Sendern und Empfängern funktionieren, wenn beide die gleiche Software verwenden. Um ihr Projekt also vorantreiben zu können, suchen die Gründer fortwährend nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten.

Unterstützung erhält Qabel von dem bekannten Berliner Anwalt und Verfassungsrichter Meinhard Starostik, der bereits seit 2007 mit einer Sammelklage gegen die Pläne der Bundesregierung zur Vorratsdatenspeicherung kämpft und diese seit 2010 erfolgreich blockiert. Seit der Patentanmeldung von Qabel ist Starostik auch vorübergehend als treuhänderischer Besitzer eingetragen, bis er das Patent an eine Genossenschaft übergibt. Denn die Gründer hatten Qabel zunächst als Patent angemeldet, es aber sogleich an Starostik als Außenstehenden übertragen. So soll ein Machtmissbrauch der Gründer präventiv vermieden werden.

Eine Entwicklung von Qabel ist für Linux, Windows, OS X und Android Geräte geplant. Kleines Manko: Qabel wird nicht für iOS-Geräte verfügbar sein. Auch wenn das „betriebswirtschaftlich unglücklich“ ist, haben sich die Gründer gegen Apple entschieden, um sich nicht deren Kontrolle über alle Angebote in ihrem App-Store unterwerfen zu müssen. Das würde der Qabel-Idee von einer unabhängigen Verschlüsselungssoftware widersprechen.